Ambulante Versorgung

Die ambulante Versorgung umfasst alle außerhalb von Krankenhäusern erbrachten Gesundheitsleistungen, vor allem slso die vertragsärztliche Versorgung durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte.

Es wird unterschieden zwischen hausärztlicher und fachärztlicher Versorgung. Zu den Hausärztinnen und Ärzten zahlen neben den Allgemein- und praktischen Ärztinnen und Ärzten auch die Kinderärztinen und -ärzte sowie manche Internistinnen und Internisten. Sie sind die erste Anlaufstelle für die Patientinnen und Patienten und sollen aufgrund ihrer Kenntnis der Krankengeschichte sowie der Lebensumstände der Patientinnen und Patienten die medizinische Versorgung koordinieren. Die Fachärztinnen und -ärzte übernehmen dagegen überwiegend spezialisierte Aufgaben, die sich auf die Behandlung einer definierten Krankheit oder ein Organsystem beziehen. Von einem Ausbau dieser hausärztlichen Lotsenfunktionen versprechen sich die Krankenkassen Verbesserungen von Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung und bieten daher sogenannte Hausarztmodelle an, bei denen die Versicherten Fachärztinnen und –Ärzte nur nur noch nach Überweisung durch die Hausärztin oder den Hausarzt aufzusuchen.

Für die Zukunft ist eine verstärkte Koordination unterschiedlicher ärztlicher und nicht-ärztlicher Heilberufe angedacht.

Die Zahl der Arztbesuche ist in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern immer sehr hoch gewesen. Im Jahr 1998 ermittelte eine repräsentative Untersuchung zur Gesundheit der deutschen Bevölkerung eine Häufigkeit von durchschnittlich elf ambulanten Arztkontakten (ohne Zahnärztinnen und Zahnärzte) pro Jahr. Im Jahr 1991 waren es in den alten Bundesländern noch knapp 18 Arztkontakte. Die Höhe der Inanspruchnahme von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten wird nicht allein durch die Morbidität der Bevölkerung, sondern in starkem Maße auch durch strukturelle Faktoren beeinflusst: So spielen auf Seite der Ärztinnen und Ärzte Anreize des Vergütungssystems eine entscheidende Rolle für Wiedereinbestellungen, während der einfache und kostenfreie Zugang zur ärztlichen Versorgung gleichzeitig eine höhere Inanspruchnahme durch die Patienten und Patientinnen fördert.

Die Gesamtvergütung ist ein zwischen Krankenkasse und Kassenärztlicher Vereinigung (KV) vereinbarter fixer Geldbetrag, den die Kasse an die KV für die ärztliche Behandlung ihrer Versicherten in dem betreffenden Zeitraum entrichtet. Mit der Gesamtvergütung sind alle Vergütungsansprüche der Vertragsärztinnen und -ärzte gegenüber der Krankenkasse abgegolten – unabhängig davon, wie viele ärztliche Leistungen tatsächlich erbracht werden. Jede Ärztin/Jeder Arzt, der GKV-Patientinnen und -Patienten behandeln möchte, muss Mitglied der KV sein, die auf der Basis von Pflichtmitgliedschaften und demokratisch legitimierter Repräsentation fungiert. Die Vertragsärztin/Der Vertragsarzt dokumentiert die erbrachten Leistungen in Form der Gebührenordnungspositionen des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM). Diese Abrechnung reicht sie/er quartalsweise der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ein Die KV errechnet das ärztliche Honorar in Euro, indem sie neben dem EBM den Verteilungsmaßstab anwendet, der die Aufteilung der Gesamtvergütung regelt. Dabei werden arztgruppenbezogenen Regelleistungsvolumina auf die einzelne Praxis innerhalb der Arztgruppe umgerechnet. Über die Regelleistungsvolumina hinaus gehende Leistungen werden geringer vergütet. Ausnahmen gibt es für Ärzte mit erhöhtem Patientenaufkommen und in Regionen mit erhöhter Morbidität.

Im System der vertragsärztlichen Vergütung sind in den letzten Jahren die Anreize zur Leistungsausweitung deutlich reduziert worden beziehungsweise stärker unter Kontrolle gebracht worden. Die Einführung der Praxisgebühr hat aufseiten der Patientinnen und Patienten die Zugangshürden erhöht, und die vormals sehr hohe Zahl der Arztbesuche reduziert. Es kam vor allem hinsichtlich des Verhaltens von Patientinnen und Patienten mit schlechtem Gesundheitszustand und geringem Einkommen zu unerwünschte Steuerungswirkungen der Praxisgebühr. In diesen Gruppen wurde überproportional häufig auf einen Arztbesuch verzichtet, was im Ergebnis zu gesundheitlich, sozial und finanziell negativen Konsequenzen führen kann. Allerdings deuten Analysen darauf hin, dass die Versorgung der ernsthaft kranken Patientinnen und Patienten, die im Laufe eines Quartals mehrfach eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen müssen, durch die Praxisgebühr wenig beeinflusst wurde.

Die Praxisgebühr wurde offiziell aufgrund eines zu geringen Lenkungseffektes und des erhöhten bürokratischen Aufwandes 2013 wieder abgeschafft.

durchschnittliche Arztbesuche pro Jahr

Quelle: WHO European health for all database (HFA-DB) 2014, Datenstand vom 06.11.2014

Deutschland im Vergleich

Die durchschnittliche Zahl der Arztbesuche in Deutschland durchlebte in der Vergangenheit eine interessante Entwicklung. Im Jahr 2004, zeitgleich mit der Einführung der Praxisgebühr ging die Zahl der Arztbesuche deutlich zurück, erholte sich aber, trotz Beibehaltung dieser Gebühr im Folgejahr wieder. In den vergangenen Jahren nahmen die Arztbesuche sogar kontinuierlich zu, eine Entwicklung die in den anderen Ländern nicht beobachtet werden kann. Eine These zur Erklärung dieses Phänomens könnte sein, dass die Praxisgebühr, die bis 2012 zu entrichten war, nur einmal pro Quartal zu zahlen war, egal wieviele Arztbesuche dann folgten. Somit bestand für die Patienten ein gewisser Anreiz, die Arztbesuche im Quartal zu maximieren.