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Euro Health Consumer Index 2017

 

Auch dieses Jahr wurde Ende Jänner der EHCI herausgegeben. Österreich rutscht gegenüber dem Vorjahr um einen Platz nach hinten und belegt Rang 11. Unter den Top Drei finden sich die Niederlande, die Schweiz und Dänemark. Und obwohl sich die Gesundheitsversorgung in Europa stets verbessert, gibt es noch viel zu tun.

Der Bericht, der seit 2005 jährlich vom Health Consumer Power House (HCP) publiziert wird, vergleicht 35 Länder in sechs Kategorien, die sich in 46 Einzelindikatoren gliedern. Ziel ist das Aufzeigen von Schwächen und Stärken und ein gegenseitiges von einander Lernen. Eine stetige Verbesserung erkennen die Autoren bei der Kindersterblichkeit und den Überlebensraten von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Krebs. Kritisiert wird hingegen in vielen Staaten das Festhalten an ineffizienten Methoden der Finanzierung und der Angebotsstrukturierung im Gesundheitswesen. Positive Beispiele könnten in diesem Bereich die Niederlande, die Schweiz und kleine Länder wie Finnland, die Slowakei, Montenegro und Mazedonien sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Index herausfordernder

Um der anhaltenden Verbesserung der europäischen Länder Rechnung zu tragen und den Index herausfordernd zu halten, wurden 2017 einige Indikatoren verschärft, also die Grenzwerte für die Punktevergabe verschoben. In etwa bei der 30-Tage-Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall, sowie bei der Kindersterblichkeit wurden strengere Kriterien angelegt. In Folge dessen kann nun auch Österreich bei der Kindersterblichkeit nur noch einen durchschnittlichen, statt einen guten Wert vorweisen.

 

Österreich

Österreich erreicht in diesem Bewertungsmodell 816 Punkt und damit Platz 11. Die größten Schwächen weist unser Land wenig überraschen in der Prävention auf: Tabak- und Alkoholkonsum. Und auch die bestehende Situation in der Handhabung von Abtreibungen wird kritisiert. Zwar ist sie nicht verboten, wird jedoch nicht im Rahmen der öffentlichen Gesundheitsversorgung angeboten und ist damit privat zu bezahlen. Als weiterer Punkt wurde die Versorgung mit Arthritis-Medikamenten als mangelhaft beurteilt.

 

Ranking unter Einbezug der Kosten

Das HCP macht auch den Versuch die Performance der Gesundheitssysteme den Kosten gegenüberzustellen und basierend darauf eine neue Rangliste zu erstellen. Hier attestiert man vor allem den Niederlanden, Island und Finnland viel Qualität für wenig Geld. In den Niederlanden wird der Wettbewerb unter den Krankenversicherungen, deren klare Abtrennung von den Leistungsanbietern und die hohe operative Entscheidungsverantwortung durch Mediziner, in Kombination mit der Beratung durch Patientenorganisationen, als Ursache dafür angegeben. Öffentliche Finanzierungsstellen, Politiker und Bürokraten scheinen in den Niederlanden weniger in operative Entscheidungen eingebunden zu sein. Österreich landet in diesem Ranking auf Platz 19 – interessanterweise noch vor Ländern wie Deutschland (21), England (22), Norwegen (28) und Schweden (29).

 

Wartezeiten und Lernen am Beispiel

Generell wird darauf hingewiesen, dass lange Wartezeiten im Gesundheitssystem zu höheren Kosten führen – und nicht etwa umgekehrt, wie ein Mythos in Ländern mit Nationalem Gesundheitssystem suggeriert und wo katastrophale Wartezeiten die Norm darstellen. Irland, das Vereinigte Königreich, Norwegen und Schweden werden hier als Negativbeispiele angeführt. Spitzenreiter im positiven Sinne sind die Slowakei und die Schweiz.

Das kleine Montenegro hat sich auf dem Gebiet der Wartezeiten ein Beispiel an Mazedonien genommen und durch die Einführung eines elektronischen Echtzeit-Überweisungssystems ähnliche Erfolge erzielt. Aber auch in vielen anderen Beispielen könnte man von kleinen Staaten lernen, etwa von der Tschechischen Republik und Estland, wo hohe Qualität zu geringen Kosten geboten wird.

 

Quelle

Health Consumer Powerhouse