News aus Großbritannien


NHS Digital Services

 

Beim Thema e-health scheint der NHS zumindest im Bereich der niedergelassenen Versorgung gut zu funktionieren und somit lohnt es sich näher hinzuschauen, um vielleicht etwas davon lernen zu können. Obwohl es im britischen Gesundheitssystem viele Mängel gibt, stehen dort bereits elektronische Funktionalitäten zur Verfügung, die anderswo erst angedacht wurden.

Bereits im Jahr 2002 wurde das National Programme for IT (NPFIT) ins Leben gerufen, um die bis dahin lokal gewachsenen und daher sehr heterogenen IT-Systeme für alle NHS-Organisationen neu zu konzipieren. Aufgabe waren vor allem eine national einheitliche Beschaffung, Entwicklung und Implementierung. 2011 wurde das Programm zwar eingestellt, hinterließ aber zahlreiche funktionierende Bestandteile. Heute ist NHS Digital als Technologieprovider für alle digitalen Belange zuständig und kümmert sich noch viel umfassender um die Thematik als ursprünglich das NPFIT. Digitale Innovationen durchlaufen im NHS einen systematisierten Ablauf, der ihre Qualität gewährleistet und einen raschen Einsatz im ganzen Land ermöglicht.

 

Zahlreiche Funktionalitäten

Im niedergelassenen Bereich stehen für Patientinnen und –patienten und die Versorgungseinheiten – sogenannte Surgeries (darunter fallen Arztpraxen, Spitäler, Zahnärzte und sonstige Spezialeinrichtungen) – umfangreiche Funktionalitäten zur Verfügung. Neben dem nationalen IT-Netzwerk NHS Spine, NHSmail, elektronischen Rezepten und Radiologieprogrammen gibt es auch den digitalen Patientenakt mit eindeutiger Nummer, deren Herzstück die Website NHS Choice darstellt. Über diesen Akt können Patienten online ihre Arzttermine einsehen und ihre Medikation, Befunde und Diagnosen (soweit eingepflegt) abrufen. Einige Surgeries bieten auch andere Dienste wie Newsletter oder Online-Patientenforen an.

 

eRezept und eTermin

Vor allem Patienten mit Dauermedikation profitieren stark von den elektronischen Rezepten. Beim Arzt kann der Patient die Apotheke wählen, bei der er seine Medikamente abholen möchte. Dort muss er sich dann nur noch mit Name und Geburtsdatum identifizieren, um seine Medikamente abzuholen – das Rezept liegt elektronisch vor. Mit der Abholung wird ein Verlängerungsschein für die Dauermedikation ausgestellt, der entweder in Papierform bei der Surgery abgegeben werden kann, oder aber es wird direkt online im Patientenportal eine neue Packung angefordert. 60 Prozent der Patienten nutzen die online Wiederbestellung ihrer Dauermedikamente. Wird das Medikament nicht abgeholt, so wird es ohne weitere Aufforderung dem Patienten zugestellt.

Darüber hinaus haben Patienten auch die Möglichkeit online einen Termin mit der Surgery zu vereinbaren. Dieser Service wird bereits von 20 Prozent der Patienten genutzt. An fällige Kontrolluntersuchungen erinnert das System automatisch, indem es einen Brief an den Patienten generiert und verschickt. Den eigenen Patientenakt nutzten 2017 immerhin zwei Prozent der Patienten und zehn Prozent wussten, dass es ihn gibt.

Die NHS App Library ist ein neues Projekt, das eine Sammlung zertifizierter Apps aus dem Gesundheit und Medizin darstellen und sowohl Patienten als auch Ärzten einen Überblick gibt, welche Apps empfehlenswert sind.

 

Krankenhäuser hinten

Die Digitalisierung im Primärsektor beträgt in Großbritannien beinahe 100 Prozent, hingegen prägt in den Spitälern des Landes immer noch heterogene und lückenhafte Computerisierung das Bild.

 

Weitere Informationen zum Gesundheitswesen in Großbritannien

 

Quelle

Endemann, Michaela (2018): NHS goes digital. IN ÖKZ Extra: IT und Prozesse. S.16-18. 59. Jg. (2018). Schaffler Verlag, Graz.

Links

NHS Choice

NHS App Library