Aus den Gesundheitssystemen


Kindersterblichkeit könnte stark ansteigen

 

Eine aktuelle Studie des Royal College of Paediatrics and Child Health warnt, dass in England und Wales die Säuglings- und Kindergesundheit ohne wirksame Maßnahmen unter Druck geraten wird. 2030 könnte die Kindersterblichkeit bereits 140 Prozent höher liegen als in vergleichbaren Ländern. Rasches Handeln ist daher gefragt.

 

Prognose

In den letzten beiden Jahren ist die Kindersterblichkeit – nach mehr als einem Jahrzehnt kontinuierlicher Verbesserung – wieder angestiegen. Derzeit liegt der Wert bereits 30 Prozent höher als im Durchschnitt der EU15-Staaten, erweitert durch Australien, Kanada und Norwegen (EU15+). Und dieser Unterschied wird ohne rasche Trendumkehrung weiter wachsen. Die psychischen Gesundheitsprobleme bei Kindern werden um ganze 60 Prozent zunehmen und die Kindernotfälle werden um 50 Prozent steigen, so die düstere Prognose der Studie.

 

Ursachen

Eine Ursache für die gefährdete Kindergesundheit ist die steigende Armut unter den Jüngsten der Gesellschaft. Das College rechnet mit einem Anstieg der Kinderarmut in der Höhe von 40 Prozent in den nächsten 12 Jahren. Zwar hat die Regierung bereits einige Programme gestartet, die dieses Problem angehen, der Handlungsbedarf könnte jedoch bei weitem unterschätzt werden.

Der Autor der Studie, Prof Russel Viner, betont jedoch auch, dass die Vorhersagen der Studie keinesfalls unumkehrbar seien, wenn die richtigen Maßnahmen gesetzt würden. So hätte etwa auch unermüdlicher Einsatz in den Bereichen Diabeteskontrolle und Rauchen zu guten Ergebnissen geführt. Er schätzt, dass Rauchen im Jahr 2030 zu einem vernachlässigbaren Problem geworden sein wird.

Dennoch sind gerade in der Gruppe der werdenden Mütter die Zahlen der Raucherinnen vergleichsweise hoch, was zu den Schlüsselfaktoren für Kindersterblichkeit zählt. Ebenso wie der Anteil von sehr jungen Müttern und die niedrige Stillrate – beides drängende Probleme im Vereinigten Königreich. Aber auch unter den vermeidbaren Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen wurden Bereiche identifiziert, in denen das Vereinigte Königreich hinter den EU15+ hinterherhinkt. Darunter gewöhnliche Infektionskrankheiten und chronische Atemwegserkrankungen.

 

Finanzierung

Die Grundlage vieler Ursachen für Kindersterblichkeit bleibt aber Armut, was vor allem eine größere Unterstützung vulnerabler Gruppen als Lösung voraussetzt. Ein Sprecher des Gesundheits- und Sozialministeriums informierte, dass die Kindergesundheit ein zentrales Thema der Regierung für die langfristige Planung des NHS sei und deshalb 2023-24 jährlich zusätzlich 20,5 Milliarden Pfund in den NHS fließen werden.

 

Mehr Informationen zum Gesundheitswesen in Großbritannien

 

Quelle

The Guardian



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