Aus den Gesundheitssystemen


Private Versorgung mit Sachleistungsprinzip

 

Im stationären Bereich gibt es das Sachleistungssystem mit Direktverrechnung für Privatversicherte schon lange. Jetzt werden erste Vorstöße Seitens großer privater Krankenversicherungen unternommen, diesen Service auch für den niedergelassenen Bereich, also beim Wahlarztbesuch, anzubieten.

Offenbar hat die Zahl der privatversicherten Bürger nun eine magische Grenze durchstoßen, denn laut einem Bericht in der Presse vom 8.8.2018 beginnen der größte und drittgrößte Träger privater Krankenversicherer (Uniqa und Merkur) damit, die Direktverrechnung beim Wahlarzt zu realisieren. Das heißt, dass der Versicherte Patient nicht mehr in Vorleistung treten muss, sondern die Rechnung beim Arzt direkt von der Privatversicherung beglichen wird – so, wie das heute eigentlich nur bei der sozialen Krankenversicherung gehandhabt wird.

Leistungskatalog

Direkt übernommen werdend dabei nicht alle ärztlichen Leistungen, sondern nur jede, die sich in einem genau definierten Leistungskatalog finden. Alle anderen Leistungen werden wie bisher über den Patienten abgerechnet, der die Rechnung dann bei der privaten Krankenversicherung einreichen kann. Zurzeit sind Uniqa und Merkur unter den Wahlärzten auf der Suche nach Vertragspartnern und bieten zu diesem Zweck exklusive Kooperationsverträge an. Die Merkur verfügt derzeit österreichweit über 250 Vertragspartner, die Uniqa gab dazu keine Auskunft.

Das Wahlarztsystem wird damit in Österreich für die privat Versicherten um einiges weniger umständlich nutzbar und damit vielleicht für einen noch größeren Personenkreis attraktiv. Den privaten Versicherungsunternehmen kann man in diesem Zusammenhang freilich nichts vorwerfen, denn sie reagieren als wirtschaftlich orientiertes Unternehmen nur auf die Zeichen der Zeit. Vielmehr scheint dieser Schritt eine Reaktion auf die langjährige Vernachlässigung des Bereichs der Kassenärzte zu sein, denn hier gibt es eine wachsende Unterversorgung. Lange Wartezeiten auf Termine und wenig Gesprächszeit mit dem Kassenarzt lassen immer mehr Menschen den Weg zum Wahlarzt beschreiten.

Patientenvermittlung

Die Uniqa bietet darüber hinaus einen sogenannten Orientierungsservice an, die die Arztsuche, inklusive rascher Terminvergabe, erleichtert. Diesen Service erwähnte die Uniqa in ihrem kürzlichen Schreiben an Wahlärzte in Wien, Graz und Linz (das sind die Städte, in denen das Pilotprojekt stattfindet). Geplant sind künftig die Erweiterung des Leistungskataloges und die Einführung einer automatisierten Direktverrechnung.

Pro und Contra für Ärzte

Der Vorteil für Wahlärzte liegt auf der Hand: Die Privatversicherung vermittelt dem Arzt Patienten, was ein gewisses Einkommen garantiert. Der Nachteil ist eine vertragliche Bindung dieser Art an ausschließlich eine Versicherung (im Vertrag der Merkur), was eine gewisse Abhängigkeit bedeutet. Außerdem verpflichtet sich der Arzt der Merkur-Versicherung und deren Kunden einen Rabatt von 10 Prozent auf die normalen Preise zu gewähren. Bei der Uniqa wird es auch stichprobenartige Kontrollen der Ärzte geben - über Zufriedenheitsbefragungen der Patienten. Die Ärztekammer rät von einem Vertragsabschluss ab - zumal es (unter anderem) keine Möglichkeit zur Verhandlung der Honorare gibt und ein Mehr an Bürokratie zu erwarten ist.

 

Mehr Informationen zum Gesundheitswesen in Österreich

 

Quelle

DiePresse vom 8.8.2018: Private Konkurrenz für Krankenkassen

orf.at



News aus der Ärztekammer OÖ

Terminservicestelle zur Verbesserung der Wartezeiten

Wie angekündigt wird die Ärztekammer OÖ eine Terminservicestelle zur Verbesserung der Wartezeiten bei Fachärzten im niedergelassenen Bereich einrichten. Das Ärztliche Qualitätszentrum wurde mit der Errichtung und Betreuung dieses Projekts beauftragt. Ansprechpartnerin dazu ist Claudia Wimmer. Die Vorbereitungen für die Einrichtung wurden bereits getroffen. Über den Start der Terminservicestelle, der für das 1. Halbjahr 2019 geplant ist, werden wir Sie zeitgerecht im Detail informieren. Nach einem Testzeitraum von zirka einem Monat werden anschließend die Patientinnen und Patienten informiert.

Mehr lesenÜberTerminservicestelle zur Verbesserung der Wartezeiten

Zeitschrift für Gesundheitspolitik

ZGP 04/2018: Krankenkassen: Je größer, desto ...?!

Die bevorstehende Zusammenlegung der neun Gebietskrankenkassen zu einer Österreichischen Gesundheitskasse ÖGK beschäftigt uns nun schon eine ganze Weile. Eine solche Infragestellung bewährter Strukturen hat es in diesem Ausmaß im Gesundheitswesen noch nicht gegeben. Trotz der umfassenden Umbrüche mangelt es leider an einer gründlichen Vorbereitung der Reformpläne. So weiß man etwa nicht wieviel diese Reform wirklich kosten bzw. einsparen wird, weil seriöse Rechnungsgrundlagen fehlen.

Auch in dieser Ausgabe stellen wir Ihnen wieder eine etwas ausführlichere Studie zur Verfügung, die zeigt, dass in Folge der Zentralisierung der Kassen neben qualitativen Einbußen auch mit negativen regionalwirtschaftlichen Effekten zu rechnen ist. Darüber hinaus werden die prognostizierten Einsparungspotenziale stark in Zweifel gezogen. Ein weiterer Beitrag des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der AOK Bayern stellt die Erfahrungen mit den Kassenfusionen in Deutschland dar und berichtet darüber, dass dort die erwarteten positiven Effekte in Form von Verwaltungskosteneinsparungen ausgeblieben sind. Die österreichische Reform bewertet der Autor auch deshalb kritisch. In der Rubrik „Auf den Standpunkt gebracht" finden Sie dieses Mal Expertenmeinungen von Vertretern der Landespolitik, der Sozialversicherung und der Ärztekammer. Neues aus Europa wartet wie immer in den „News aus den Gesundheitssystemen" auf Sie.

Wir wünschen viele anregende Momente beim Lesen!

 

Beiträge:

Termine

Der Primararzt im Fokus - Herausforderungen abseits der Medizin

Am Samstag, 9. Februar 2019 findet in Linz eine Konferenz zum zu.HÖREN, mit.MACHEN und fort.BILDEN statt. Nicht-medizinische Qualifikationen werden im Arbeitsalltag immer wichtiger, werden im Rahmen der medizinischen Ausbildung jedoch nicht gelehrt. Die Konferenz greift die essentiellen Themen „Ethik in der ärztlichen Führung“, „Konflikte als Chance für das System“ und „Generationen wirksam führen“ auf.

Mehr lesenÜberDer Primararzt im Fokus - Herausforderungen abseits der Medizin