Aus den Gesundheitssystemen


Wer zahlt die Leistungsverschiebung?

 

Analog zur Schweiz (siehe Beitrag vom 15.05.2018) hat nun auch die Liechtensteiner Regierung einen Katalog von vorerst sechs Leistungen beschlossen, die in Zukunft ambulant erbracht werden müssen. Anderenfalls werden die Krankenkassen nicht mehr dafür aufkommen. Aber auch in Liechtenstein gibt es keine Finanzierung aus einer Hand, wodurch diese Leistungsverschiebungen zwar insgesamt Einsparungen bringen, für die Versicherten jedoch sogar Beitragssteigerungen befürchtet werden.

 

Finanzierung aus zwei Händen

Der Spitalsbereich wird zu 55 Prozent vom Staat und nur zu 45 Prozent von den Kassen bezahlt. Im ambulanten Bereich werden hingegen die gesamten Kosten von den Krankenkassen übernommen. Bei einer Verschiebung von Leistungen von Stationär zu Ambulant werden somit auch die Kosten für die Krankenkassen erhöht. Die Ersparnisse kommen dem Staat zu Gute. Für die Versicherten könnte es daher zu Erhöhungen der Beiträge kommen, meint der Landtagsabgeordnete Johannes Kaiser. Er setzt sich für flankierenden Maßnahmen ein, die den Prozess „ambulant vor stationär" begleiten sollen.

 

Qualität und Preis überprüfen

Einige Eingriffe, die in manchen Kantonen der Schweiz bereits zwingend ambulant durchgeführt werden müssen, beziehungsweise für eine Aufnahme in diese Liste empfohlen werden, kommen im ambulanten Sektor nicht günstiger oder sogar teurer als im stationären Bereich. Ein Beispiel hierfür ist die Erweiterung von Herzkranzgefäßen. Aber auch die Qualität für den Patienten ist in manchen Fällen im Spital besser, etwa die Schmerzkontrolle bei Eingriffen an der Zervix (Gebärmutterhals). Ein Monitoring der Auswirkungen auf die Patienten und Patientinnen scheint daher sinnvoll und notwendig. In der Schweiz wurde ein solches Monitoring, im Gegensatz zu Liechtenstein, vorgesehen, um die Patientensicherheit bei den Maßnahmen zu gewährleisten.

 

Forderungen

Für die Schweiz wurde bei der Verlagerung von 16 Eingriffen von Stationär auf Ambulant für das Gesundheitssystem eine Ersparnis in der Höhe von 113 Mio. Franken berechnet, jedoch auch eine Mehrbelastung der Krankenkassen in Höhe von 70 Mio. Franken. Diese Mehrbelastung würde auf jeden Fall zu einer Prämienerhöhung bei den Versicherten führen bzw. zu einem Abbau von Reserven, die anderenfalls zu einer Prämiensenkung geführt hätten. Der Liechtensteiner Krankenkassenverband (LKV) fordert daher analog zu den Schweizer Kassenverbänden eine einheitliche  Finanzierung ambulanter und stationärer Eingriffe. Kaiser kritisiert, dass es sinnvoller gewesen wäre, zuerst die Finanzierungsfrage zu lösen und erst danach Leistungsverschiebungen vorzunehmen.

 

Mehr Informationen zum Gesundheitswesen in Liechtenstein

 

Quelle

lie:zeit

LIG-Bericht vom 15.05.2018: Ambulant vor Stationär (Schweiz)

 



News aus der Ärztekammer OÖ

Zeitschrift für Gesundheitspolitik

ZGP 02/2018: Attraktive Sonderklasse

Die medizinische Versorgung in Österreich ist prinzipiell eine sehr Gute. Trotzdem wünschen sich immer mehr Menschen darüber hinausgehende Leistungen. Das lässt sich für den stationären Bereich an der wachsenden Quote der privat krankenversicherten Personen ablesen. Verwerflich ist daran freilich nichts, auch wenn sich ob dieser Zahlen der besorgniserregende Gedanke an eine verstärkte Zwei-Klassen-Medizin manifestieren will. Und diese Gefahr besteht auch, sofern man die privaten Gelder nicht in die richtigen Bahnen lenkt und so dafür sorgt, dass die öffentliche medizinische Versorgung auf einem High-end-Level bleibt und sich die Unterschiede zwischen den Klassen weiterhin lediglich in Komfortelementen und nichtmedizinischen Serviceleistungen finden. Der Schlüssel dafür liegt unserer Ansicht nach in der Vermeidung einer parallelen privaten Spitalsstruktur und deshalb in der Verbesserung der Sonderklasse in den öffentlichen Krankenhäusern.

In dieser Ausgabe finden Sie Beiträge, die aufzeigen, welche Maßnahmen für eine attraktive Gestaltung der Sonderklasse notwendig sind. Umfragen in der oberösterreichischen Bevölkerung und unter den Primarärztinnen und -ärzten des Landes geben Einblicke in die Bedürfnisse von Sonderklassepatientinnen und -patienten, zeigen Probleme auf und weisen auf Möglichkeiten hin. Ein weiterer Experte bearbeitet die Thematik der Sonderklasse aus der Perspektive des Marketings und stellt wirksame Instrumente zur Innovationsfindung vor. Im Auslandsbeitrag wird auf die Privatmedizin in deutschen Spitälern eingegangen. Interessantes finden Sie außerdem wie gewohnt in den Rubriken „Auf den Standpunkt gebracht" und den „News aus den Gesundheitssystemen".

Wir wünschen Ihnen wie immer viele anregende Momente beim Lesen!

  • Hon.-Prof. Dr. Felix Wallner - Überlegungen zur Attraktivierung der Sonderklasse
  • Mag. Katharina Wieser - Ökonomische Effekte der Privaten Krankenversicherung
  • Mag. Vasiliki Karagiannidis - Bevölkerungsbefragung: Anforderungen an die Sonderklasse in Spitälern
  • Mag. Sabine Weißengruber-Auer, Mag. Katharina Wieser -Befragung und Fokusgruppe "Attraktive Sonderklasse": Auf den Milchschaum nicht vergessen!
  • o.Univ.-Prof. Dkfm. Dr. Gerhard Wührer - Zusatzleistungen in der Sonderklasse - Ansätze zu einer innovativen Gestaltung von Angeboten im Gesundheitsbereich
  • Dr. Christine Arentz - Private Zusatzversicherungen in der stationären Versorgung in Deutschland
  • Auf den StandPunkt gebracht mit einem Beitrag von Dr. Peter Eichler
  • News aus den Gesundheitssystemen

Termine

Der Primararzt im Fokus - Herausforderungen abseits der Medizin

Am Samstag, 9. Februar 2019 findet in Linz eine Konferenz zum zu.HÖREN, mit.MACHEN und fort.BILDEN statt. Nicht-medizinische Qualifikationen werden im Arbeitsalltag immer wichtiger, werden im Rahmen der medizinischen Ausbildung jedoch nicht gelehrt. Die Konferenz greift die essentiellen Themen „Ethik in der ärztlichen Führung“, „Konflikte als Chance für das System“ und „Generationen wirksam führen“ auf.

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