News


Impfpflicht für Masern wahrscheinlich

 

Nach vermehrt auftretenden Masernfällen wird in Österreich noch über Maßnahmen diskutiert. In Deutschland ist man indes schon einen Schritt weiter: Gesundheitsminister Spahn will die Impflicht für Masern beschließen. Kindergartenausschlüsse und hohe Geldstrafen sollen für die Einhaltung des Gesetzes sorgen.

 

Der Gesetzesentwurf

Kaum ein Thema wird kontroverser und emotionsgeladener diskutiert als das Impfen. Dementsprechend vorsichtig geht man in Österreich damit um und will erst einmal auf die Vernunft der Menschen setzen. In Deutschland ist man da anderer Meinung: nach dem Gesetzesentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn müssen Schul- und Kita-Kinder künftig nachweisen, dass sie gegen Masern geimpft wurden. Sind Kita-Kinder nicht geimpft, sollen sie von der Kita ausgeschlossen werden. Bei Schulkindern gilt die Schulpflicht und es kann daher kein Ausschluss erfolgen. Eltern sollen jedoch ein Bußgeld bis zu 2.500 Euro zahlen.

Impfen sollen künftig alle Ärzte, ausgenommen Zahnärzte, dürfen. Damit ergibt sich bei jedem Arztbesuch die Möglichkeit zur Überprüfung des Impfstatus und zur Impfung, das vereinfacht es für Patienten erheblich. Zum Beispiel können beim Kinderarztbesuch die Eltern gleich mitgeimpft werden.

Überlegt soll auch werden, ob weitere Infektionskrankheiten in die Impfpflicht mit einbezogen werden sollen. Die Impfpflicht soll mit 1. März 2020 in Kraft treten, sie muss aber erst beschlossen werden. Die Rückmeldungen seitens der Politik scheinen indes eher positiv gestimmt.

 

Auch Lehrer und Gesundheitspersonal

Einem Referentenentwurf, der dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt, zufolge, sollen in die Impfpflicht auch Lehrpersonen und das Gesundheitspersonal mit einbezogen werden. Das würde etwa auch Küchenpersonal in Spitälern betreffen, sofern dieses in Kontakt mit Patienten kommt. Auch Personal in Arztpraxen und Geburtshäuser müsste nachgeimpft werden. Insgesamt werden laut Berechnungen etwa 600.000 Menschen durch die Impfpflicht nachträglich zum Impfen verpflichtet (361.000 ungeimpfte Kinder und 220.000 Angestellte). Bis spätestens 31. Juli 2020 muss der Nachweis für den Impfschutz gebracht werden.

 

Expertenmeinung

Eine Impfpflicht stellt zwar eine Einschränkung der individuellen Freiheit dar, das betrifft aber auch andere Bereiche, wie etwa das Rauchverbot oder die Gurtenpflicht, sagt der Professor für Globale Gesundheit und Impfexperte Saad Omer im Interview mit Zeit online dazu. Jede Gesellschaft müsse dem Experten zufolge eine Balance zwischen der Einschränkung der individuellen Freiheit und dem größeren gesellschaftlichen Nutzen finden. Bei der Entscheidung, sein Kind nicht impfen zu lassen, gefährdet man nämlich nicht nur das eigene Kind, sondern auch Andere – etwa Kinder, die noch zu jung für eine Impfung sind oder Personen mit krankhaft schwachem Immunsystem. Masern sind nicht nur gefährlich, sondern auch extrem ansteckend und es braucht daher eine hohe Durchimpfungsrate um einen Herdenschutz herzustellen (mindestens 95%). Die tatsächliche Durchimpfungsrate von derzeit 93 Prozent bezieht sich allerdings nur auf Kinder, die gerade eingeschult werden. Dabei wird übersehen, dass der Schutz unter jüngeren Kindern und Erwachsenen viel geringer ist. Und auch regional existieren große Unterschiede. Der Impfexperte hält die Einführung einer Impfpflicht von wissenschaftlicher Seite her jedenfalls für gerechtfertigt.

Allerdings hält Omer es auch für angebracht, sich etwa auch aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen von der Impfpflicht befreien lassen zu können. Spahns Gesetzesentwurf sieht das derzeit nur aufgrund von medizinischen Kontraindikationen vor. Es geht aber laut dem Experten nicht unbedingt darum, die Menschen auf Biegen und Brechen zum Impfen zu zwingen, sondern darum, Nicht-Impfen aufwendiger zu machen als Impfen. Eine Befreiung sollte nicht zu schwer zu bekommen sein, denn das führe zum Suchen nach Schlupflöchern.

 

Mehr Informationen zum Gesundheitswesen in Deutschland

 

Quellen

Zeit Online

aerzteblatt.de