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8. Gesundheitspolitisches Gespräch: Erfolgsmessung in der sozialen Krankenversicherung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von links: Präsident Dr. Peter Niedermoser, OMR Dr. Thomas Fiedler, Mag. Dr. Andrea Wesenauer (OÖGKK), Prof. Dr. Volker Ulrich, Univ.-Prof. Dr. Dorothea Greiling, em. Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Friedrich Schneider

Beim 8. Gesundheitspolitischen Gespräch zum Thema „Erfolgsmessung in der sozialen Krankenversicherung" am Montag, 13. November 2018 im Ars Electronica Center Linz bezogen die Expertinnen und Experten klare Positionen zur Österreichischen Gesundheitskasse ÖGK. Das Linzer Institut für Gesundheitssystem-Forschung und die Ärztekammer für OÖ luden zu zwei Vorträgen mit anschließender Podiumsdiskussion ein.

Gruppenpraxen, HÄND, Wegfall der Chefarztpflicht, diese in Oberösterreich erzielten Errungenschaften sind einzigartig in Österreich", sagte Dr. Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für OÖ, bei der Podiumsdiskussion. „Allerdings wird dies künftig mit der Österreichischen Gesundheitskasse ÖGK nicht mehr so unkompliziert und partnerschaftlich wie bisher möglich sein."

OÖGKK-Direktorin Mag. Dr. Andrea Wesenauer ergänzte: „Am Beispiel der Zahnärzte sieht man deutlich, dass die Entwicklung des Leistungskataloges auf Bundesebene nur schleppend vorangeht und keine Innovationen in Sicht sind."

Der em. Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Friedrich Schneider, Johannes Kepler Universität Linz, betonte in der Diskussion den für ihn wichtigsten Punkt: „Diese Reform ist ein teures Experiment ohne Ziele." Laut seiner  besorgniserregenden Diagnose werde die Politik diese Kassenzusammenlegung in einigen Jahren aus Kostengründen wieder zurücknehmen müssen, was wiederum teuer zu stehen kommen werde. In seinem Vortrag „Entwicklung von Kennzahlen zur Leistungsbewertung der österreichischen Gesundheitsklasse" gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Dorothea Greiling ging es vor allem darum, wie wesentlich Benchmarks zur Bewertung der Qualität einer Krankenkasse seien. Die ÖGK könnte sich zum Beispiel in den Bereichen Personalausstattung, Servicestellennetz, Versichertenzufriedenheit und Zufriedenheit der Leistungsanbieter einem Vergleich stellen. Greiling: „Das allerdings wird schwierig werden, wenn es keine vergleichbaren Konkurrenten und es in dieser Monopolstellung keine Anreize zur Innovation gibt."

Prof. Dr. Volker Ulrich von der Universität Bayreuth ging auf die Situation in Deutschland ein: „Eine gewisse Innovationsoffenheit ist unumgänglich in solchen Systemen. Sie ist selbst in Deutschland in der gesetzlichen Krankenversicherung niedrig." Für das in Österreich geplante zentralistische System äußerte er dahingehend große Bedenken. In seinem Vortrag führte er aus, wie wichtig der Risikostrukturausgleich in Deutschland sei.

Unisono sagten OMR Dr. Thomas Fiedler und Präsident Dr. Peter Niedermoser bei der Podiumsdiskussion: „Die Einsparungen durch eine zentralisierte ÖGK sind sehr fraglich, da es ohne sinnvolle Vergleichsmöglichkeiten auch kein vernünftiges Benchmarking geben kann, so wie es bisher von den Gebietskrankenkassen der Länder gelebt worden ist." Dr. Niedermoser betonte abschließend mit Nachdruck: „Sollte der Gesamtvertrag schlechter ausfallen als die bisherige oberösterreichische Lösung, werden wir dem auf keinen Fall zustimmen!"

Das Linzer Institut für Gesundheitssystem-Forschung bedankt sich bei der MedAK für die perfekte Organisation des Events und bei seinen Sponsoren, der LGT-Bank und der Deutschen Bank, für die großzügige Unterstützung.